Biographien von Schriftstellern sind oft ziemlich verästelte Suchgeschichten, die von Tankwart, Taxifahrerin, Schiffssteward, Kellnerin, Briefträgerin oder Spion irgendwann irgendwie zum Buch führen. Bei mir hießen die Stationen Reinigungskraft, Rezeptionistin, Krankenschwester, Sängerin, Hausfrau und Mutter, Lehrerin, Gemeindehelferin, Schreib- und Ziele-Coach, freie Lektorin … aber geschrieben habe ich immer schon. Zuerst abgeschrieben, was an der Schultafel stand, dann Tagebuch und Seelsorgebriefe, später auch Kurzgeschichten, Geschenkbücher, Kinderbücher, Gedichte und einen ersten Roman.
Geboren wurde ich nur wenige Tage, nachdem der erste Sputnik ins All schoss, im westlichen Appendix der Republik, wo es noch verhältnismäßig gemütlich zugeht und gutes Essen und Familiensinn großgeschrieben werden. In meinem Leben ging es dann nicht immer gemütlich zu. Ich bin etwa ein Dutzend Mal umgezogen, habe ungefähr ebenso oft meine berufliche Richtung gewechselt (siehe oben), bin aber seit über dreißig Jahren mit demselben Mann verheiratet, und immer noch spannend. Bei unserem Sohn scheint das Globetrotter-Gen noch ausgeprägter durchgeschlagen zu haben. Ihm verdanke ich die verwandtschaftlichen Beziehungen zu Georgien – und diesen verdanken „Die Sucherinnen“ ihren zeitgeschichtlichen Hintergrund.
Fußnote:
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich promovierte Germanistin bin. Soll ja auch welche geben, die schreiben können. Hanns Josef Ortheil zum Beispiel. Der war zu meiner Studienzeit in Mainz noch wissenschaftlicher Assistent und hielt ein Seminar über „Wanderungen und kleine Fluchten in der Romantik“, das den Keim zu einer literarischen Figur in „Die Sucherinnen“ legte: dem blondlockigen, etwas überspannten Romantiker Arthur. Aber dafür kann Herr Ortheil nichts. Kein Lehrer kann vorhersehen, was er in den Köpfen seiner Schüler anrichtet … Meinen Doktor habe ich dann nicht mit der deutschen Literatur erworben, sondern mit einer linguistischen Arbeit. Wer es genauer wissen will: siehe „Veröffentlichungen“.
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